Verein zur Erforschung der Volksmusik und der Wiener Künstler um 1900 im Wechselgebiet

Wechsel im Ton - II

Das Gesamtprojekt Der Wechsel und sein kulturelles Erbe (local heritage) umfasst zwei - wenn auch auf den ersten Blick nicht sofort ersichtliche - eng vernetzte kulturelle Ebenen. Das verstärkte Interesse an Natur und Jagd, unterstützt vom beginnenden Bahnbau, zieht die städtischen Baumeister und Künstler aufs Land hinaus, um auch hier Werke ihres Könnens und ihrer Epoche zu hinterlassen.

Gleichzeitig versetzt die - unerwartete - bäuerliche Kultur in Erstaunen und führt zum Sammeln von Bräuchen und Liedgut. Das 1904 von Unterrichtsminister Wilhelm Ritter von Hartel(1839 - 1907) initiierte Projekt zur Erfassung des Volkslieds in allen k. k. Kronländern illustriert Interesse und Bedeutung, kann aber - historisch bedingt - nicht abgeschlossen werden. Mit dem COMPA(= corpus musicae popularis austriacae)-Sonderband Das Volkslied in Österreich. Volkspoesie und Volksmusik der in Österreich lebenden Völker erscheint 2004 dieses große Sammelwerk, als Nachdruck des Jahres 1918 bearbeitet und kommentiert von Walter Deutsch und Eva Maria Hois, im Böhlau Verlag, Wien.

Seit 1992 verwirklicht Prof. Mag. Walter Deutsch mit seiner Reihe COMPA(=corpus musicae popularis austriacae) erfolgreich den 1904 gefassten, großen Plan zur Dokumentation der Volksmusik. Details zu den bereits erschienenen 20 Bänden sind im Oesterreichischen Volksliedwerk (www.volksliedwerk.at) zu finden.

Der aus Czernowitz stammende Prof. Eusebius Mandyczewski, der berühmteste Archivar der Gesellschaft der Musikfreunde Wien,  steht beispielsweise 1904 dem “Sammelvorhaben wohlwollend gegenüber, muss sich aber wegen Arbeitsüberlastung von einer Teilnahme entschuldigen”. Mandyczewski ist  ein Beispiel für die kulturelle Vernetzung und die engen geographischen Querverbindungen des Wechselgebiets mit der Residenzhauptstadt Wien, den k.k. Kronländern und den Städten, Laibach, Czernowitz und Kopenhagen. Er bezieht 1904 seine Mönichkirchner Villa Mandyszewski. Dieser Jugendstilbau, entworfen vom Wiener Architekten Gustav Knell, ist heute noch - im Original samt Bautafel - in seiner vollen Schönheit im Privatbesitz vorhanden. Sie ist vom Hartberger Baumeister Wilhelm Beyer gebaut, der ebenso an der Laibacher Oper arbeitet. Das Medaillon der Hl. Cäcilie an der Fassade stammt vom dänischen Künstler Christian Gregorius Andersen.
Im Gesamtprojekt Der Wechsel entsteht nun - gemeinsam mit Walter Deutsch und unterstützt von der Niederösterreichischen und Steirischen Volkskultur - in Teilband I Das Geistliche Lied zu COMPA-Band 22 WeXel oder Die Musik einer Landschaft. Damit wird im speziellen die Tradition des “Leichhüatns / Leichwachtns” seine angemessene Dokumentation erhalten.

Teilband 2 “Almlieder, Jodler, Gstanzl und Tanz” basiert auf den seit Ende des 19. Jahrhunderts gesammelten Liedern und Tänzen aus den Archiven der Niederösterreichischen und Steirischen Volksliedwerke und wird mit den Ergebnissen einer aktuellen Feldforschung in den Dörfern und Märkten des Wechsels und den Aufzeichnungen von Schwaigen.Reigen 2007 - 2009. Festival der Almhütten am Wechsel ein umfassendes Bild zur Musik und zum Musikleben der vergangenen 75 Jahre bis heute ergeben.

Das Ziel dieses Projekts ist das Entstehen eines nachles- und nachvollziehbaren Sammelwerks, in dem, neben der Beschreibung der Landschaft, die lokaltypische, unverwechselbare Eigenheit der musikalischen, sprachlichen Kultur- und Brauchtumsgeschichte des Wechsels zu finden ist.

Eine interessante Facette des COMPA-Bandes WeXel oder Die Musik einer Landschaft werden die kulturhistorischen Bezüge im deutschsprachigen Werk des slowenischen, in Aspang lebenden Literaten Josip Stritar (1836-1923) darstellen, welches u.a. auch in der Dissertation von Urska Perenic am Institut für Slowenistik, Universität Laibach aufgearbeitet wurde.